KICKS! Performing Arts für ein junges Publikum
«In welcher Zukunft möchtest du leben?» Im Theaterstück «2042 - ein Spiellabor für Zukünfte» ist das die alles entscheidende Frage. Zu sehen am 23. Mai im Rahmen von «kicks! Performing Arts Festival für Junges Publikum». Hier drei Kurzkritiken der Leporello-Nachwuchsredaktorinnen Malena Habenicht und Lena und Alina Facchinetti und eine Programmübersicht zum einzigartigen Festival.
Die Theaterkritik von Lena Facchinetti
2042: unsere Gegenwart in 20 Jahren – womöglich wird diese, aber nicht so aussehen wie heute. Wir blicken zusammen mit den Schauspieler*innen Melisa (MELISA SU TAŞKIRAN), Stephan (STEPHAN Q. EBERHARD), Sophia (EDITH SOPHIA GODAU) und Téné (TÉNÉ OUELGO) von FUTUR2 in das Jahr 2042. Interaktiv gestaltet präsentieren sie uns vier Möglichkeiten, wie wir einst auf unserem Planeten zurechtkommen müssen.
Eine vom Publikum gewählte Person wird von den Schauspieler*innen im Jahr 2042 in Form eines Avatars verkörpert. Also eine «Zeitreise». Diese Zeitreise geschieht mit einem Generator in der Mitte der Bühne. Was besonders auffällig: die verschiedenen neonfarbigen Lichter. Überall Licht, überall flackert es! Es leuchtet bunt der Boden und sogar auch das DJ-Pult. Aber nicht nur das Lichtspektakel katapultiert in die Zukunft, sondern auch die Musik: die verschiedenen Töne sind ausgefallen und passen zum modernen Technikkonzept. Dies alles rundet die Szene nochmals schön ab und gibt dem Ganzen ein gewisses Extra.
Allerdings wird keine fortlaufende Geschichte erzählt, wie man es eigentlich von einem Theaterstück erwarten würde. Das meiste ist improvisiert und kommt locker-flockig, mit einer gewissen Lässigkeit daher und dies in den Sprachen Englisch, Französisch und Deutsch.
Von Robotern, Tanz und Musikeinlagen bis hin zu einem Synthesizer, den Melisa mit Hilfe von Kartoffeln spielt: alle die, die schon jetzt das Jahr 2042 spüren möchten, können am Schluss des Theaterstücks die Kulisse und Items des Spiellabors ausprobieren.
Die Theaterkritik von Alina Facchinetti
Die Gestaltung der Zukunft basiert auf Vorstellungen von Kindern der 5. und 6. Klasse des Stadtberner Schulhauses Tscharnergut, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Melisa beschreibt den Klimawandel und baut sich aus Kartoffeln und einer Ananas ein Keyboard. Stephan berichtet von Cyborgs und Robotern während Téné sich durch Social Media tanzt und Likes sammelt. Sophias Welt ist vom Krieg geprägt und sie muss ums Überleben kämpfen.
Die Schauspieler*innen sprechen miteinander in Englisch, Deutsch und Französisch. Falls jemand kein Englisch spricht, ist das nicht weiter schlimm, denn Sophia übersetzt direkt ins Deutsche. Die sprachliche Abwechslung verleiht dem Stück einen vielfältigen Charakter und bringt die Mehrsprachigkeit ins Jahr 2042 mit ein.
Das Theaterstück gleicht eher einem Workshop oder wie bereits im Titel zu lesen – einem Spiellabor. Dass die Schauspieler*innen sich die «Weltvorstellung» interaktiv mit dem Publikum erarbeiten, ist eine schöne Idee und kommt gut an. Bis auf die vorgegebenen Themen der Zukunft wird das Gespielte improvisiert. Das wirkt offen, aber an manchen Stellen verwickeln sich die Schauspieler*innen in Gespräche miteinander und das Publikum verliert den Zusammenhang zur eigentlichen Geschichte, was schade ist.
Die verschiedenen Lichteffekte und pfeifenden Töne, die beim Zeitreisen erklingen, passen zwar gut zum Jahr 2042, aber wirken gerade gegen Schluss in ihrer dichten Farbigkeit und mit den vielen aufblitzenden Lichtern sehr überfüllt. Damit man sich als Publikum trotzdem ein wenig in der Zeit orientieren kann, ist das jeweilige Jahr immer in projizierter Angabe ersichtlich.
«2042 – ein Spiellabor der Zukünfte» lässt die Zukunft schon jetzt aufleben und lädt das Publikum dazu ein, darüber nachzudenken, was in 20 Jahren sein wird.
Die Theaterkritik von Malena Habenicht
Schon im Foyer läuft im Hintergrund Sound, der nach «Weltraum-Musik» klingt, was alle schon vor der eigentlichen Aufführung in Zukunfts-Stimmung versetzt. Dieser Soundteppich zieht sich durch das ganze Stück und untermalt die Handlung, was mir sehr gut gefallen hat.
In 2042 werden von Wissenschaftler*innen verschiedene Zukunftsmöglichkeiten aufgezeigt. Mal mehr technisch, mal mehr apokalyptisch. Am Ende stehen immer die Fragen: Findest du sie gut? Und würdest du hier leben wollen? Wobei alle Zukünfte meiner Meinung nach zu überspitzt wirken, um in 20 Jahren realistisch zu sein.
Die Multilingualität des Stückes führte manchmal zu Verwirrungen. Gerade bei den jüngeren Zuschauer*innen war dies gut spürbar, sie wurden mitunter unruhig und ein wenig ungehalten, wenn sie etwas nicht auf Anhieb verstanden. Durch die Übersetzungen, die fast immer darauf folgten, wurde die Anspannung aber gelöst. Dabei war die intendierte Kommunikation mit dem Publikum immer sehr gut bemerkbar. Und das war nicht die einzige Art von Interaktion mit den Zuschauer*innen. So reisten etwa die Wissenschaftler*innen in die Zukunft von Personen aus dem Publikum. So auch Melisa. Sie kann sogar ihre Banane dorthin mitnehmen, ob sie ihr wohl noch nützlich sein wird?
Durch die häufige Interaktion habe ich manchmal fast vergessen, dass ich im Theater sitze. Ich konnte mich weniger entspannen und musste immer bei der Sache sein und mitdenken. Die verschiedenen Zukunftsmöglichkeiten waren nicht in allen Aspekten rosig und lassen das Publikum mit der Frage zurück: wird die Zukunft überhaupt gut sein?
Ich empfehle das Theaterstück ab 11 Jahren, allen die gerne über die Zeit und wie sie vergeht nachdenken, aber nicht schockiert sind, wenn die Möglichkeiten düsterer ausfallen als es der eigene Wunsch wäre.
FESTIVAL PROGRAMM
Donnerstag, 19.05.2022
> Haus meines Geistes (6+)
14:00 (Schulvorstellung) – Dampfzentrale Kesselhaus
> Milieu (6+)
14:00 (Schulvorstellung) – Schlachthaus Theater Saal
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Freitag, 20.05.2022
> Nicht alle Eltern sind Pinguine (6+)
09:30 (Schulvorstellung) – Dampfzentrale Turbinensaal
> Milieu (6+)
09:30 (Schulvorstellung) & 18:00 – Schlachthaus Theater Saal
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Samstag, 21.05.2022
> Milieu (6+)
11:00 – Schlachthaus Theater Saal
> Haus meines Geistes (6+)
14:00 – Dampfzentrale Kesselhaus
> Nicht alle Eltern sind Pinguine (6+)
16:00 – Dampfzentrale Turbinensaal
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Sonntag, 22.05.2022
> grrr knrsch ha! (4+)
15:00 – Dampfzentrale Kesselhaus
> 2042 – Ein Spiellabor für Zukünfte (10+)
11:00 – Schlachthaus Theater Saal
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Montag, 23.05.2022
> grrr knrsch ha! (4+)
14:00 (Schulvorstellung) – Dampfzentrale Kesselhaus
> 2042 – Ein Spiellabor für Zukünfte (10+)
09:30 (Schulvorstellung) & 14:00 (Schulvorstellung) – Schlachthaus Theater Saal

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