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Wiehnachte für d’Alina

| Malena Habenicht | Event-Tipps

 

Yussuf, Mara und Alina müssen aus ihrer Heimat flüchten. Der Weg nach Europa ist steinig und einmal angekommen, wird es nicht einfacher. Und plötzlich setzen bei Mara die Wehen ein. Ob sie eine Bleibe finden, bevor das Baby zur Welt kommt? Im Stück „Wiehnachte für d’Alina“ vom Berner Puppentheater wird die Weihnachtsgeschichte für einmal etwas anders erzählt. Eine gelungene Inszenierung voller überraschender Wendungen und einer tiefgehenden Auseinandersetzung mit der Flüchtlingsthematik. Die Kritik der Leporello-Nachwuchsredaktorinnen Alina Facchinetti und Malena Habenicht.

Es herrscht ein neuer Sultan im Land: Yussuf und seine hochschwangere Frau Mara müssen flüchten. Sie folgen dem Stern mit dem grossen Schweif, der hell am Himmel leuchtet. Sie laufen tagelang quer durch die Wüste. Unterwegs treffen sie auf das kleine Mädchen Alina, das keine Eltern mehr hat. Ein ganz besonderes Mädchen, das etwa mit Tieren reden kann und in ihnen gute Freunde gefunden hat. Alina beschliesst mit Mara und Yussuf weiterzuziehen. Mit Hilfe eines Delfins schaffen sie es nach Europa. Doch dort ist alles anders als gedacht. Sie finden sich in einer Welt voller Vorurteile und Inakzeptanz wieder. Doch gleichzeitig lernen sie ebenso eine Welt voller Zuneigung, Zusammenhalt und Neugierde kennen.

Abwechslungsreich und überzeugend inszeniert
Die Geschichte wirkt im Grunde eher traurig. Ein Ehepaar muss aus der Heimat flüchten, weil ein neuer Machthaber im Land herrscht und Alina ist ebenfalls von ihrem Zuhause geflohen, um sich vor dem Krieg in Sicherheit zu bringen. Gerade schön erscheint es, dass alle in der Weihnachtszeit zusammenkommen.

Eine wunderbar inszenierte Weihnachtsgeschichte, abwechslungsreich gestaltet. Lustige Szenen wechseln sich mit ernsten ab. Dabei wird auch die Flüchtlingsthematik intensiv behandelt: Themen wie ohne Hab und Gut flüchten zu müssen bis hin zur Schwierigkeit von jemanden aufgenommen zu werden.

Das Stück ist voller überraschender Momente: so kann Alina nicht nur mit Tieren sprechen, sie kennt auch den Seegott Neptun, der übrigens leckere Algen-Linguine kochen kann ;-)

Auch musikalisch kommt es zu einer Überraschung: Herr Bürgler zeigt seine Lichtershow und tanzt zu berühmten Weihnachtsliedern wie „Jingle Bell Rock“ – ein Kontrast zum sanften, leicht melancholischen Flötenspiel, das „Wiehnachte für d‘Alina“ begleitet.

Zauberhaftes Bühnenbild
Kontrastreich ist auch das Bühnenbild gestaltet: die Orte wechseln zwischen der heissen syrischen Wüste und dem kalten Winter in Europa. Dabei sticht auch der Unterschied zwischen der farbintensiven Wüste und dem kalten Europa heraus, wobei die schneebedeckten Bäume die Weihnachtsstimmung ein wenig untermalen.

Unterteilt in drei Ebenen erhält das Bühnenbild eine räumliche Tiefe. Besonders schön anzusehen ist etwa, wenn ein Soldat auf seinem Trampeltier auf die Stadt zureitet, um den neuen Sultan anzukündigen. Erst ist er nur als kleiner Reiter im Hintergrund zu erkennen und je näher er kommt, wechselt seine Grösse. Sehr schön gemacht!

Die Figuren werden höchst lebendig geführt, die Spieler:innen „verschwinden“ im Laufe des Stücks gänzlich hinter ihnen. Die Bewegungen wirken natürlich und sind präzis aufeinander abgestimmt. Ausserdem wechseln die Spieler:innen fliessend die Stimmen der jeweiligen Figuren. Dabei ändern sie auch die Dialekte, ohne dass Verwirrung aufkommt.

Weihnachten für alle
Die erste Person mit der Yussuf, Mara und Alina in Europa in Kontakt kommen ist Herr Bürgler, der Stadtpräsident. Sie fragen ihn, ob sie sich nicht in seinem Haus ausruhen und vielleicht etwas zu essen haben könnten. Doch Herr Bürgler ist abweisend, denn er hat ganz andere Pläne. Seine Weihnachten sind eine protzige Lichtershow und ihm ist es wichtig die modernsten und teuersten Geschenke zu haben, an seinem schwarzen Sportwagen z.B. hängt er sehr. Auch als die drei Geflüchteten ihn über ihre Geschichte aufklären, zeigt er sich ungerührt und unbeeindruckt und schickt sie weg.

Der Charakter des Herr Bürglers steht wohl stellvertretend für die meisten Menschen, die Vorurteile gegenüber Geflüchteten haben. Und wie Herr Bürgler versuchen die meisten gar nicht erst die ganze Situation aus einer anderen Perspektive zu betrachten und hören nicht zu. Doch es ist Weihnachten! Und was bedeutet Weihnachten eigentlich? Für Herrn Bürgler geht es um schwarze Sportwagen, Lichtershows und Glanz und Glamour.

Doch gibt es nicht auch ein Weihnachten, das für alle ist? Alina versucht dies herauszufinden. Und wer weiss, vielleicht gibt es einst ein Weihnachten für alle. Schliesslich spielt es keine Rolle, woher du kommst, wie du heisst oder welche Sprache du sprichst!

So sehen zumindest wir das von Leporello und wünschen euch allen frohe Weihnachten!

 

 

Wiehnachte für d’Alina von Frank Demenga, gespielt von Karin Wirthner (Mara), Frank Demenga (Yussuf) und Simone Oberrauch, alternierend mit Miriam Jenni (Alina). Für Kinder ab 5 Jahren und Erwachsene, ca. 60 Minuten

Die Spielzeiten von Wiehnachte für d’Alina findet ihr hier – in unserem Leporello-Online-Kalender.


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Malena Habenicht

Malena (21) mag Musik und scharfe Currys. Für ihr Germanistikstudium liest sie viel, verschlingt aber, wenn die Zeit dafür bleibt, auch sonst gerne Bücher. Sie leitet die Kinder- und Jugendredaktion.
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