70 Tricks, um nicht baden zu gehen
70 Tricks hat Gidd in seinem Heft notiert, um donnerstags das obligatorische Schulschwimmen zu umgehen. Der junge niederländische Autor Gideon Samson erzählt in „70 Tricks, um nicht baden zu gehen“ mit einer einfachen und trotzdem bildreichen Sprache davon, Ängste zu überwinden. Der Kinderbuch-Tipp der Leporello-Nachwuchsredaktorin Sophie Burkhalter.
Wer das Kinderbuch „70 Tricks, um nicht baden zu gehen“ das erste Mal aufschlägt, dem wird auf den ersten Blick auffallen, dass die Schrift blau ist. Das ganze Buch ist in Blau gehalten: Der Fliesstext, die Seitenzahlen, die Kapitelüberschriften. Und auch die Vignetten von Anke Kuhl, die sich am Anfang von jedem kurzen Kapitel über zwei Seiten ziehen. Sie zeigen immer einen blauen Startblock mit der Nummer des Kapitels und den Querschnitt einer Bahn im Schwimmbad.
Und einen Jungen: Gidd. Mal sitzt er in seiner roten Badehose („Behwotsch-Modell“, auf der Vignette sieht sie natürlich blau aus, aber in echt ist sie rot) auf dem Startblock mit der Nummer fünf, die Knie an die Brust gezogen, die Augen kugelrund und die Mundwinkel nach unten gezogen. Mal fällt er fast vom Startblock ins Wasser und rudert wild mit den Armen durch die Luft, die Augen immer noch kugelrund.
Gidd hat Wasserangst und eine „besondere Gabe“: Er kann auf Kommando krank werden, oder zumindest überzeugend so tun, was sehr praktisch ist. Das kann er gut für seine Tricks gebrauchen, damit er nicht zum Schulschwimmen muss, das immer donnerstags stattfindet. Denn Donnerstag ist der schlimmste Tag von allen. Gidd hat immer schon mittwochs Bauchschmerzen.
Kindliche Sicht auf die Welt
Die Geschichte wird aus der Sicht des sympathischen Gidd erzählt, der ganz und gar kein strahlender Held ist, sondern vielmehr ein normaler Junge mit Ängsten. Einer, der weiss wie er gucken muss, damit Mutter und Lehrerin Mitleid mit ihm haben und er ins Bett kann (und nicht ins Schulschwimmen muss) weil er so krank aussieht.
Die Sprache ist einfach und die Sicht auf die Welt kindlich. Trotzdem gibt es zwischen den Zeilen viel zu lesen und trotz des ernsten Themas bringt einen das Buch hin und wieder zum Schmunzeln, sei das wegen lustigen Situationen oder Beschreibungen:
„Onkel Bengt ist nämlich ein schwedischer Riese. Tante Noor hat ihn einmal in einem Urlaub entdeckt, als sie nach oben schaute.“
Gidds „Wasserangst“ ist immer präsent, auch wenn er nicht im Schwimmbad ist. Das liegt daran, dass viele Metaphern mit „Wasser“ und „Schwimmen“ zu tun haben: Zum Beispiel hebt jemand den Daumen wie ein Schwimmlehrer.
Mit vielen Metaphern
Die Sätze und Kapitel sind kurz. Daher eignet sich das Buch zum Vorlesen, aber auch zum Selberlesen, allerdings für etwas ältere Leser. Ein achtjähriges Kind wird vielleicht manche Dinge noch nicht verstehen und wird je nach dem nichts mit dem Buch anfangen können.
Kinder- und Jugendredaktion

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Titel70 Tricks, um nicht baden zu gehen
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Autor:inGideon Samson
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VerlagGerstenberg
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Erscheinungsdatum2014
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Seiten144
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Illustrator:inAnke Kuhl
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Übersetzer:inRolf Erdorf
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Bewertung