Comic-Tipps für die Ferien
Mitrate-Comics, die selbst Lesemuffel begeistern oder Sachcomics, die unglaublich lustig und schräg Wissen vermitteln: Comics sind so beliebt wie noch nie! Entsprechend reichhaltig und vielfältig ist denn auch das aktuelle Angebot. Hier 11 Comic-Tipps, zusammengestellt von Kinder- und Jugendmedien Bern-Freiburg – ein redaktioneller Partner von Leporello.
Einmal kurz nicht aufgepasst. Die beiden Waschbären Walther und Juri schlagen ihre Bäuche in einer Mülltonne voll, als diese plötzlich zu ruckeln beginnt ... und schon befinden sich die beiden mit verschiedenen Fortbewegungsmitteln auf einer unfreiwilligen Reise um die Welt. Ob sie ihre geliebte Mülltonne wohl je wiedersehen? Mit viel Witz und Leichtigkeit erzählt Regina Kehn in ihrem ersten Comic für Kinder über Freundschaft, Mut und die Bereitschaft, über sich hinauszuwachsen. In den Illustrationen dominieren dezente Farben. Durch die lebendig dargestellten Situationen wird ein grosser Teil des Inhaltes über die Bilder vermittelt. So ist nicht jede Illustration mit Sprechblasen versehen, wodurch sich der Comic auch hervorragend für jüngere Leser:innen eignet. Wechselnde Perspektiven, Detailansichten und Farbwahl laden zu längerem Verweilen auf einer Seite ein. Annina Schranz-Otth
Regina Kehn, Kibitz, Ab 7 Jahren
Redaktion Wadenbeisser – Krimi-Comic zum Lesen und Mitraten. Wenn Ben Riecher und Klara Argus für die Schülerzeitschrift «Wadenbeisser» recherchieren, ist oftmals neben deren Journalistenwissen auch eine grosse Portion Detektivarbeit gefragt. Ohne Klaras Kombinationsgabe hätte der Schokowaffel-Dieb nicht überführt und der defekte Getränkeautomat nicht repariert werden können. Doch die beiden Journalisten und ihre Reporterfreunde sind auch auf die Mithilfe der Leser:innen angewiesen. Die 14 Fälle erstrecken sich meist über vier Doppelseiten und enden jeweils mit einer Detektivfrage an die Leserschaft. Am Ende des Buches werden die Fälle aufgelöst. Der Rätselcomic ist lesefreundlich gestaltet und spricht jüngere und ältere Kinder an. Die Texte sind klar und gut verständlich verfasst. Die Seiten und einzelnen Comicbilder wirken nicht überladen. Ein Mitrate-Comic, der selbst Lesemuffel zum Lesen animiert! Annina Schranz-Otth
Ina Rometsch, Bernhard Speh, Edition Helden, ab 7 Jahren
Ein Tag im Leben von Astronaut, All und Raketenknall. Wie sieht der Alltag eines Schwarzen Lochs aus? Was erlebt ein Astronautenbuntstift? Sogar die Schwerkraft kommt zu Wort. In diesem Sachcomic führen das Universum und seine Bewohner:innen Tagebuch. In kurzen Episoden stellen sich Himmelskörper und Astronauten in der Ich-Form vor. Ein Clou: Um den Wechsel vom Nord- zum Südstern zu vollziehen, müssen die Leser:innen den Comic umdrehen. Die Texte erklären spielerisch astrophysikalische Phänomene und kuriose Details und machen komplexe Astronomie verständlich. Der durchweg farbig gestaltete Comic besticht durch sein innovatives Konzept. Auf über 100 Seiten vermitteln die Ich-Erzähler mit viel Witz relevantes Detailwissen. Besonders lobenswert ist die Aktualität, da auch Themen wie Weltraummüll behandelt werden. Ein Glossar am Ende des Comics hilft bei Fachbegriffen. Ein wunderbarer Comic, der zeigt, wie unterhaltsam Wissensvermittlung sein kann. Nathalie Fasel
Mike Barfield & Jess Bradley, Fischer Sauerländer, ab 10 Jahren
Lightfall 1 – Das verlorene Licht. Gemeinsam mit ihrem Grossvater lebt Bea auf dem Planeten Irpa, der nur durch künstliches Licht erhellt wird und in dem die Dunkelheit immer näher rückt. Als Beas Grossvater auf einmal verschwindet, macht sich das Mädchen auf eine abenteuerliche Suche. Begleitet wird sie von dem stets zuversichtlichen Cad, der Bea immer wieder Mut macht, wenn die Angst sie lähmt. Auf ihrem turbulenten Weg treffen sie auf die fantastischen Bewohner Irpas, die jeweils ihre eigene Rolle in diesem Abenteuer spielen. Die detailreiche, in stimmungsvollen Farben gestaltete Graphic Novel entführt die Leser:innen in eine Fantasy-Welt, in der es auf jeder Seite etwas Neues zu entdecken gibt. Vertrauen, Mut und das Überwinden von Ängsten sind Themen, mit denen die Protagonisten neben den aufregenden Herausforderungen ihrer Reise konfrontiert werden. Ein Comic für alle, die gerne in fantastische Welten voller Action und Abenteuer eintauchen und ein offenes Ende bis zum nächsten Band aushalten können. Katrin Rutner
Tim Probert, Planet!, ab 10 Jahren
Emmas Zeit – Eine Schweizer Familiengeschichte im 20. Jahrhundert. Emmas Verlobter wird 1918 während des Generalstreiks erschossen. 1937: Emma verliert ihren Job als Lehrerin, weil sie heiratet. Gleichzeitig verkracht sie sich mit ihrem Bruder, der mit den Nationalsozialisten sympathisiert. 1956: Emmas Neffe verliebt sich in Giovanna, eine Saisonnière. 1975: Emmas Enkelin lebt mit ihrem Freund in einer Kommune und demonstriert gegen AKWs. 1989: Emma blickt auf ihr Leben zurück und entdeckt, dass sie vom Staat die ganze Zeit beobachtet wurde. Mittels Emmas fiktiver Geschichte schildert dieser Comic wichtige Ereignisse der Schweizer Geschichte des 20. Jahrhunderts. Darin kommen verschiedene historische Persönlichkeiten vor. Diese werden in kurzen Porträts vorgestellt. Die Bilder mit feinem schwarzem Strich und hellen Farben lassen Emmas Leben sehr glaubwürdig wirken. Ein interessanter Mix zwischen Comic und Sachbuch für Geschichtsinteressierte. Karin Böjte
Éric Burnand & Fanny Vaucher, Edition Moderne, ab 13 Jahren
Romeo und Julia – Die Graphic Novel nach William Shakespeare. Verbotene Liebe und tiefer Hass treffen im historischen Verona aufeinander. Das tragische Ende von Romeo und Julia ist unausweichlich, immerhin erkennen die verfeindeten Familien Capulet und Montague, dass ihr Handeln zu dieser Katastrophe geführt hat und ein Ende haben muss. Diese Graphic Novel adaptiert das Drama von Shakespeare gut verständlich und trotz der vereinfachten Sprache und sehr komprimierter Handlung, behält die Geschichte ihre dramatischen Eigenschaften. Die Panels sind übersichtlich gestaltet, die Personen und ihre Empfindungen stehen im Vordergrund. Dabei wird eine eher klassische Zeichenart gewählt, die etwas schlicht wirkt. Wirklich wertvoll machen den Comic jedoch die Kapitel vor und nach dem eigentlichen Drama, welche mit Hintergrund- und Zusatzinformationen das Stück und den Autor verständlich in einen historischen und literarischen Kontext betten. Ein geeigneter Comic für einen ersten Kontakt mit dem Klassiker der Weltliteratur. Katrin Rutner
Steve Barlowe, Steve Skidmore & Wendy Tan Shiau Wei, Loewe Graphix, ab 13 Jahren
Detektiv Spatz und die gebrochene Feder. Vögel fallen in der Grossstadt vom Himmel. Wer steckt dahinter? Diese Frage lässt dem jungen, mutigen, aber auch etwas unerfahrenen Detektiv Spatz keine Ruhe. Er will noch vor der Taubenpolizei den Fall aufklären. Unterstützt wird er dabei von Eule Boreala, die durch ihre Umsichtigkeit dem Spatz auch schon mal das Leben rettet. Mit viel Humor und Charme wird den jungen Leser:innen vielfältiges Vogelwissen vermittelt. Der Comic beginnt mit einer Übersicht der Protagonisten. Jedes der 10 Kapitel endet mit einem Wissensteil über Vogelarten, deren Lebensräume oder andere Fakten. Die farbenfrohen, stilistisch eher einfach gehaltenen Illustrationen wirken nicht überladen und lassen Raum für eigene Entdeckungen. Die Sprache ist kindgerecht – im Comic wie in den Wissenstexten – und am Ende des Comics hat es Platz, um eigene Vogelbeobachtungen festzuhalten. Ein Comic, der Witz, kriminalistisches Gespür und Naturwissen hervorragend vereint. Annina Schranz-Otth
Adam Wajrak & Tomasz Samojilik, Edition Helden, ab 7 Jahren
Erika Ehrlich und de Spuk uf em Campingplatz. Sommer ist's! Der Campingplatz «Sonnengarten» hat noch viele freie Plätze. Zum Leidwesen des Betreiberehepaars Fritz und Fränzi Egloff und ihrem Neffen Eduard. Seit ein Gespenst nachts sein Unwesen treibt, sind die Gäste, bis auf ein paar wenige, abgereist. Deshalb engagieren Egloffs die Abenteurerin Erika Ehrlich. Als Frau für fast alle Fälle soll und will sie, zusammen mit Eduard, die Ermittlungen aufnehmen. Während der Spuk weitergeht, stehen ab sofort die verbleibenden Gäste unter Beobachtung. Der Ermittlungskrimi ist in Dialekt geschrieben. Daran müssen sich die Leser:innen erst mal gewöhnen. Unerschrocken, cool und immer in Stiefeln und Latzhosen ist Erika Ehrlich unterwegs und nimmt schrullig gezeichnete Figuren wie den Zauberer, die alternde Schauspielerin und den Forscher unter die Lupe. Der zügige Plot leitet die Leser:innen vorerst in die Irre, bis der Fall schliesslich gelöst ist. Ein humorvoller und unterhaltsamer Feriencomic mit einem Nachwort von Pedro Lenz. Katharina Siegenthaler
Samuel Schumacher, Helvetiq, ab 10 Jahren
Dinosaurier – Eine Zeitreise in ein Land vor unserer Zeit. Und plötzlich sind sie weg! Robin, der Junge von der Schulzeitung, die eigenwillige Frau von Humboldt und ihr Papagei Einstein reisen ungewollt mit einer Zeitmaschine in die Ära der Dinosaurier. Sie begegnen gewaltigen Raubtieren und erleben hautnah, wie die Urzeit ausgesehen haben könnte – vom Leben im Wasser über das Land bis hin zum Aussterben der Riesenechsen. Ob sie den Weg zurück in die Gegenwart finden? Auf jeden Fall lernt Robin viel über diese faszinierenden Tiere. Der Sachcomic verbindet eine lebendige Abenteuergeschichte mit fundiertem Wissen über die Dinosaurier und deren Zeitalter. Die Handlung ist klar strukturiert, die Illustrationen sind farbstark und detailreich. Manchmal ist die Mischung aus Geschichte und Fakten nicht ganz stimmig und die Figuren stehen etwas im Hintergrund. Dennoch überzeugt der Comic durch seinen hohen Informationswert und die gelungene Kombination von Lernen und Unterhaltung und weckt schliesslich den Entdeckergeist. Sandra Jung
Thibault Guichon-Laurier / Bob, Knesebeck, ab 7 Jahren
Papa, was ist Rassismus? Gibt es Rassismus überall? Seit wann gibt es ihn? Gibt es überhaupt Rassen? Sind Religionen rassistisch? Kann man Rassisten heilen? Diese und weitere Fragen stellt Merjem ihrem Vater, bevor sie zusammen an eine Demonstration gegen neue Einwanderungsgesetze gehen. Ihr Vater antwortet geduldig, differenziert und gut verständlich. Er erklärt, wie Rassismus entsteht und was er für Konsequenzen hat, gibt vielfältige Beispiele und erklärt Begriffe wie Kolonialismus und Xenophobie. Für diesen Comic wurde das Buch «Papa, was ist ein Fremder?» des französisch-marokkanischen Schriftstellers Tahar Ben Jelloun adaptiert und aktualisiert, sowie mit einem Glossar ergänzt – von «AfD» über «Sklaverei» bis zu «zivilem Ungehorsam». Die Illustrationen zeigen einerseits das Gespräch zwischen Tochter und Vater und andererseits illustrieren sie die Antworten des Vaters. Unterschieden werden die beiden Ebenen durch Form und Farbe. Der Comic eignet sich sehr gut für Familien-Diskussionen, kann Fragen klären und wirkt anregend. Karin Böjte
Tahar Ben Jelloun, Hélène Le Cam & Marzena, Sowa, Jacoby & Stuart, ab 13 Jahren
Ulf und die entführte Lehrerin. Als Frau Süllmann am Morgen nicht zum Unterricht erscheint, herrscht Aufregung im Klassenzimmer: Ein Erpressungsbrief an der Wandtafel verkündet ihre Entführung. Die Klasse beschliesst, für das Lösegeld ihre Sparschweine zu leeren, während die Detektivbande um Ulf und Co. eifrig Spuren sammelt und ermittelt. Die Überraschung ist gross, als die Lehrerin unversehrt zu Hause auftaucht und von einem familiären Notfall spricht – und gleichzeitig das Lösegeld aus dem Mülleimer gezogen wird. Die jungen Detektive bleiben dran und decken die ganze Wahrheit auf. Amüsant und liebevoll erzählt der witzige Kindercomic vom zweiten Fall der Detektivbande. Die Szenen sind sehr einfühlsam dargestellt und es kommen auch Themen wie Ausgrenzung und Freundschaft zur Sprache. Die Illustrationen überzeugen durch ihren lebendigen Strich und die ausdrucksstarke Mimik. Mit feinem Humor, treffsicheren Details und einem Gespür für Situationskomik geben sie die Dynamik zwischen den Figuren gekonnt wieder. Katharina Marti
Tanja Esch, Kibitz, ab 7 Jahren
Kinder- und Jugendmedien Bern-Freiburg ist seit Jahren redaktionelle Partnerin von Leporello. Mehr Infos siehe hier.
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