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Frossja Furchtlos

| Fachredaktion | Kinderbuch

Mit Babuschka, Bären (kaffeetrinkend!), dem Huhn Henne, einem Trunkenbold und dem Mädchen Frossja atmet dieses Buch russisches Landleben. Frossja geht selbstbewusst und smart durchs Leben und findet sogar ein gestohlenes Bauernhaus wieder. Der Tipp von Katja Wiebe.

Die Eltern von Frossja sind ständig auf Dienstreise und so lebt das Mädchen mit seiner Oma allein in einem uralten Bauernhaus im Norden Russlands. Als der Direktor eines Freilichtmuseums auf das historische Haus aufmerksam wird, lässt er es kurzerhand abtransportieren, um es im Museum wieder aufzubauen. Wie es überhaupt zu diesem Diebstahl kommen konnte, erzählt Stanislaw Wostokow mit grossem Wortwitz, Augenzwinkern und einer kurvenreichen Handlung.

Russisches Landleben – Bullerbü mit sozialkritischem Anstrich
Frossjas Leben mag wie aus der Zeit gefallen wirken und an Lindgrens „Bullerbü“-Welt erinnern, doch man merkt, dass Wostokow nicht von einer fernen Welt aus einer anderen Zeit erzählt, sondern Frossjas Geschichte im heutigen Russland verortet ist: Weit entfernt von Helikoptern-Eltern und Überbehütung verfügt Frossja über grosse Autonomie und Eigenständigkeit, die auch nötig ist, damit der Alltag läuft: Das Mädchen muss in Haus und Hof helfen und den langen Schulweg ins Nachbardorf allein bestreiten. Dort werden nur noch drei Schüler unterrichtet – es zeigt sich, dass die Dorfgemeinschaft klein ist. Wenig Menschen leben noch in der Abgeschiedenheit auf dem Land. Aber diese Gemeinschaft funktioniert und trägt auch eine tragische Persönlichkeit wie den Alkoholiker Nikanor mit.

Anekdotische Drehs & Spass am Fabulieren
Dass jene Welt eine glücklich-kindliche, wunderbar leicht und lustig ist, dafür sorgt die Perspektive des Buches: Frossja leitet die Blicke und Wahrnehmung der Leser und Leserinnen. Und Stanislaw Wostokow weiss genau, dass es für eine gute Geschichte witzige Drehs und Spass am Spiel mit Worten und Sprache braucht, denn eigentlich sind Anekdoten seine erzählerische Spezialität. So baut er ganz selbstverständlich einen Bären als Helfer für Frossja ein, der jedoch mit täglichen Kaffeerationen vor der Winterruhe bewahrt werden muss, oder ein sprechendes Huhn, das jedoch nur zwei Wörter beherrscht, sowie die abwegige Idee, dass ein ganzes Haus gestohlen werden kann.

In einem fingierten Nachwort wird deutlich, dass das Haus der eigentliche Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist: Detailreich werden dort nicht nur die Besonderheiten und der Aufbau eines uralten, nordrussischen Bauernhauses beschrieben, sondern auch Wostokows Freude an ländlicher Lebensart deutlich.

 


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Fachredaktion

  • Titel
    Frossja Furchtlos
  • Autor:in
    Stanislaw Wostkow
  • Verlag
    Knesebeck Verlag
  • Erscheinungsdatum
    2019
  • Seiten
    176
  • Illustrator:in
    Marija Woronzowa
  • Übersetzer:in
    Thomas Weiler
  • Bewertung