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Godland

| Malena Habenicht | Jugendbuch

Godland ist alles, was du dir je erträumt hast. Du kannst deine Welt gestalten, wie du willst, es gibt keine Kriege, keine Krankheiten und du lebst ewig – online! Martin Schäuble hat mit „Godland“ einen faszinierenden dystopischen Jugendroman geschrieben. Eine Kritik der Leporello Nachwuchsredaktorin Malena Habenicht.

Yolanda ist 15 Jahre alt und auf einer Server-Insel aufgewachsen. Auf den Sever-Inseln stehen die Computer von Godland. Mit 15 Jahren beginnt die Dienstzeit, das bedeutet zu den Servern schauen und die Insel im Stand halten. Die Dienstzeit dauert 20 Jahre. Die Tage sind lang und die Arbeit ist hart. Doch der Preis ist es wert. Das sagen zumindest alle und das denkt auch Yolanda. Denn wer seine Dienstzeit beendet hat, geht „godline“. Das bedeutet zwar, dass das Leben auf der Erde zu Ende geht – die Erde ist seit den Klimakriegen sowieso verwüstet – aber dein Gehirn wird eingescannt und dein Bewusstsein hochgeladen. Online kannst du ewig leben, in einer Welt, die du dir so gestalten kannst, wie sie dir gefällt. Dein persönliches Godland eben!

Die Erde ist „am Arsch“
Es gibt viele Server-Inseln, die im Ozean verstreut sind. Auf diesen Inseln leben Analoge, wie Yolanda, die zu den Godland-Servern schauen. Schliesslich müssen die Rechner von Menschen betreut werden. Früher waren die Server-Inseln in regem Austausch. Schiffe kamen und gingen, sie brachten Essen und Ersatzteile. Doch seit Jahren ist kein Schiff mehr vorbeigekommen. Yolanda erinnert sich kaum mehr daran, wie es ist einen Apfel zu essen oder an den Geschmack von Marmelade.

Die trostlosen Erinnerungen, die Yolanda an das Leben vor der Server-Insel hat, werden sehr eindrücklich beschrieben. Auch gut vorstellbar ist die Server-Insel, die sehr detailreich geschildert wird. Hinten im Roman befindet sich zudem ein QR-Code mit dem eine Skizze der Insel aufgerufen werden kann. Das finde ich sehr cool, da ich so beim Lesen verfolgen konnte, wo sich die Charaktere gerade aufhalten.  

Die Erde sei „am Arsch!“ hat Yolanda von Godmother erfahren. Es gäbe nichts ausser die Server-Inseln. Godmother ist das KI Programm, dass die Server-Inseln überwacht und schaut, dass die Analogen ihre Arbeit verrichten und ihnen nichts zustösst. Sie sieht und hört alles. Godmother will nur das Beste – Yolanda ist sich dessen sicher.

Nichts als ein Fake!
Bei einem Reinigungs-Einsatz finden Yolanda und ihre Freunde Tian und Silver einen Zettel mit der eindringlichen Warnung, dass Godland nichts als ein Fake sei. Glücklicherweise sind sie gerade in einem Teil der Insel unterwegs, den Godmother nicht überwachen kann. Doch was bedeutet das genau? Yolanda versucht nicht zu zweifeln. Doch je mehr Dinge sie hinterfragt und je mehr sich Godmother selbst zu widersprechen scheint, desto sicherer wird sich Yolanda, dass irgendwas nicht stimmt.

Godmother merkt dies und um Yolanda wieder von Godland zu überzeugen, darf sie als erste Analoge Person Godland besuchen und wieder zurückkehren. Es ist wunderschön, doch Yolanda ist noch immer von Fragen geplagt. Weshalb kommen keine Schiffe mehr? Weshalb lügt Godmother? Und sind die Server-Inseln wirklich das Einzige, was von der Welt noch übrig geblieben ist?

Das ewige Leben
Getrieben von Yolandas Fragen und den Unstimmigkeiten von Godmothers Aussagen konnte ich den Roman kaum aus der Hand legen. Ich musste wissen, wie es weiter geht. Zudem haben mich die grösseren Themen, die behandelt werden, zum Denken angeregt.

Der Roman beschäftigt sich einerseits mit dem ewigen Leben und der Frage, ob es wirklich so verlockend ist wie es zu sein scheint. Damit verbunden wird die Thematik der künstlichen Intelligenz und der Freiheit des Menschen in Verbindung mit den Gefahren und auch den Vorteilen einer solchen Welt. Beim Lesen stellst du dir Frage wie:

In was für einer Welt willst du leben?

Wie sähe deine ideale Welt aus?

Ist unsere Welt nicht die Beste? Und sollte sie darum nicht gerettet werden, bevor sie, wie im Roman, „komplett am Arsch“ ist.

Ich empfehle den Roman allen, die gerne dystopische Geschichten lesen und sich gerne in eine nicht allzu ferne Zukunft entführen lassen möchten – trotz einer gewissen Absurdität und vielleicht gerade wegen den abschreckenden Zuständen.


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Malena Habenicht

Malena (21) mag Musik und scharfe Currys. Für ihr Germanistikstudium liest sie viel, verschlingt aber, wenn die Zeit dafür bleibt, auch sonst gerne Bücher. Sie leitet die Kinder- und Jugendredaktion.
  • Titel
    Godland
  • Autor:in
    Martin Schäuble
  • Genre
    Fantasy
  • Verlag
    KJB/Fischer
  • Erscheinungsdatum
    2023
  • Seiten
    336
  • Bewertung